FLUG- Navigation GPS allgemein
GPS Global Positioning System
● Satelliten und System:
Ziel ist es, die für die Luftfahrt heute noch verwendeten und partiell auch unentbehrlichen
Bodenstationen für navigatorische Zwecke zu ersetzen (Bodenstationen müssen
aufwändig gewartet werden und erreichen niemals die Flächendeckung
eines Satellitensystems).
Für die GPS-Navigation im Flugzeug stehen dem Piloten Gegenwärtig zur Verfügung:
Mindestens 24 Navigations-Satelliten in vorbestimmten Umlaufbahnen (in
ca. 20.200 km Höhe, je 2 Umläufe in 24 Std.). Signale von 4 bis 5 Satelliten
für Positionsbestimmungen können durch diese Anordnung gleichzeitig an
jedem Punkt der Erde empfangen werden.
Ein Empfänger am Boden oder im Flugzeug kommuniziert mit einem Satelliten,
so dass zeitgleich je ein definiert kodiertes Signal gesendet wird. Die
nötige Zeitsynchronisation wird mit Atomuhrgenauigkeit sichergestellt. Das
Satellitensignal kommt aufgrund Entfernung und (bekannter) Wellenausbreitungsgeschwindigkeit
am Empfänger verzögert an. Beide Signale werden zur
Feststellung der Distanz gegeneinander verschoben, bis sie deckungsgleich
sind. Aus der Größe der Verschiebung ergibt sich die Distanz zum Satelliten.
Durch fest auf der Erde befindliche Überwachungsstationen sind die Standorte
der Satelliten zu jeder Zeit bekannt. Das für Koordinatenangaben vorgesehene
Koordinatensystem ist das WGS 84 (World Geodetic System).
Die Anzahl, Winkelkonstellation und Funktionsfähigkeit der zu einem betimmten
Zeitpunkt an einem definierten Ort verfügbaren Satellitensignale
beeinflussen die so genannte geometrische Güte. Diese ist im Grunde ein Maß
für die temporäre Genauigkeit. Durch diverse Korrekturen, wie z.B. den Ionosphäreneffekt,
kann die Genauigkeit des Systems von +/– 12 m auf 3 bis 5 m
verbessert werden. Damit lassen sich CAT III-Anflüge (ohne Sicht) noch
nicht realisieren. Die Präzision einiger Empfänger beträgt nur 20 bis 30 m.
● Ergebnisse und Berechnungen:
Nicht nur die Position, sondern auch die Höhe über einer definierten Bezugsebene
kann errechnet werden.
Die Richtung und Entfernung vom gegenwärtigen Standort eines Flugzeugs
(GPS-Empfängers) zu einem anderen Bezugspunkt im gleichen Koordinatensystem
ist selbstverständlich berechenbar. Allerdings muss jeder dieser
Bezugspunkte der GPS-Datenbank bekannt sein.
Die Koordinaten von Flugplätzen, Bodenstationen und anderen Orten entnimmt
der Rechner seiner Datenbank. Sind dort für einen vom Benutzer gewünschten
Punkt keine Koordinaten abgelegt, genügt die Eingabe von Richtung
und Entfernung zu einem in der Datenbank vorhandenen Ort. Wenn in
dieser Weise verfahren wird, werden bei vielen GPS-Empfängern die Koordinaten
dieses neuen Ortes automatisch in die Datenbank übernommen.
Mit der Bewegung eines Flugzeugs (GPS-Empfängers) in bestimmter Zeit in
Richtung und Entfernung wird die GS Grundgeschwindigkeit ermittelt. Daraus
folgt, dass nun Flugzeiten und Ankunftszeiten für vorgegebene Zielpunkte
ebenfalls berechnet werden können.
● Sicherheit und Genauigkeit:
Die Präzision der Ortsbestimmung, welche mit diesem System bei Überlandflügen
weltweit erreicht wird, ist unübertroffen. Allerdings sollte man bei der
Verfügbarkeit von GPS zur Sicherheit demnächst von etwa 90% ausgehen.
● Anwendung VFR:
Bei Überlandflügen, dem Auffinden der Zielflugplätze und anderer Ziele
bedeutet die Satellitennavigation für den Piloten eine enorme Erleichterung.
Stets die Position zu kennen, den Kurs vorgegeben zu bekommen, jederzeit
sehr genau zu wissen, wann das Ziel erreicht ist und das alles fast ohne Arbeit,
ist sehr hilfreich und nützlich. Selbstverständlich muss davon ausgegangen
werden, dass immer mitgekoppelt wird und evtl. auch mit anderen Navigationsverfahren
die Richtigkeit der Satellitennavigation überprüft wird.
Eine sorgfältige Flugvorbereitung ist auch hier unumgänglich.
● Anwendung IFR:
Für en route navigation geradezu ideal. Auch im An- und Abflugbereich hat
das Satellitensystem durch neue mögliche und annehmbare Flugwege gegenüber
der Navigation nach konventionellen Bodensystemen klare Vorteile.
Dies bedeutet: Neben größerer zu bewältigender Verkehrsdichte Energieeinsparung,
Zeitgewinn und infolgedessen Umweltentlastung. GPS ist derzeit für
Nicht-Präzisionsanflüge geeignet. Allerdings sind (mit Ausnahmen) keine
Präzisionsanflüge bis hin zur Landung (Ceiling ‹ 200 m, RVR 800 m) möglich.
In diesem Bereich hat das ILS-System mit seiner Präzision auch bei der
Gleitwegführung noch einen Vorteil.
Für GPS-IFR-Flüge ist RAIM-Alarm (Ausrüstung des Empfängers) vorgeschrieben.
Ein zusätzlicher Satellit wird zur Überwachung benötigt, so dass
bei nicht mehr ausreichenden Empfangsbedingungen ein Alarm ausgegeben
werden kann. Bei Stand-Alone-Betrieb, wenn sich also keine konventionellen
NAV-Empfänger für Bodenstationen mehr an Bord befinden, gelten für Ausweich-
Flughäfen besondere Bestimmungen. (Datenbanken müssen alle 28
Tage erneuert werden).
● Ausblick:
An GALILEO, dem Europäischen Globalen Navigations-Satellitensystem
wurde viel geforscht und an Wellenausbreitung, Zeitverteilung, Korrekturen,
Antennen, Rechenmodellen und mehr gearbeitet. Es ist daher zu erwarten,
dass dieses System bedeutend präziser arbeiten wird, als das GPS, das US-Militärische
System.
EU und ESA erteilten Im Jahr 2010 einem Deutschen Unternehmen den Auftrag
zum Bau der ersten 14 von 30 Satelliten. In 2012 sollen diese in die Umlaufbahn
(23.000 km Höhe) gebracht werden. Das System soll 2014 starten.
Man erwartet eine Positionsgenauigkeit von 10 cm.